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Das Alevitentum und die Aleviten

1. HISTORISCHER ÜBERBLICK, ENTWICKLUNG DES ALEVITENTUMS:

Um das Alevitentum als Religion, Kultur und Philosophie besser verstehen  zu können, sollte man ein Blick auf seine Entwicklungsgeschichte werfen.


Mit dem Tod des islamischen Propheten MOHAMMED im Jahr 632 , begann die Spaltung im Islam . Die Streitigkeiten um die rechtmĂ€ĂŸige  Nachfolge des Propheten (Kalifen-Streit) fĂŒhrten zur Spaltung des Islams in SCHIITEN, als »Partei ALIS« (arabisch »Schiat Ali«)  und Sunniten ( Sunna = Taten und AussprĂŒche MOHAMMEDS).
Die ALEVITEN entstammen von den SCHIITEN, unterscheiden sich aber in der heutigen Zeit grundlegend. Das Gemeinsame ist die Liebe zu ALI und die Einhaltung der Sitten und Lehren.
Die AnhĂ€nger des Sunnitentums unterstĂŒtzten den einflussreichen Ebubekir (geb.Mekka um 573, Tod Medina 23. 8. 634), wĂ€hrend die Aleviten ALI (geb. Mekka 21.3.598 ( auch Nevruz = Neujahr), ermordet Kufa 24.01.661) als den rechtsmĂ€ĂŸigen Nachfolger ernannten. ALI war der Vetter, Adoptivsohn und gleichzeitig der Schwiegersohn des Propheten MOHAMMED.
Der Clan der Omayyaden, dem auch Ebubekir angehörte, setzte sich um die Vorherrschaft im Islam durch. Zur Erhaltung ihrer eigenen Herrschaft wurden die ALEVITEN verfolgt und ermordet . Die Familie des Propheten ( EHLIBEYT ) wurde im Laufe der Zeit systematisch brutal getötet, um die Opposition zu schwĂ€chen. Höhepunkt dieser Morde war das Massaker in KERBELA (dem bedeutendsten Wallfahrtsort der SCHIITEN), indem IMAM HÜSEYIN (Sohn von ALI und Enkel MOHAMMEDS) samt seiner Familie und GefĂ€hrten umgebracht wurden.
Die Sunniten bestimmten nun, welche Teile der vom Propheten hinterlassenen religiösen SchriftstĂŒcke als heiliges Buch (KORAN ) zu gelten hatten und wie diese zu interpretieren seien.

Das Alevitentum entwickelte sich zur einer naturverbundenen, toleranten, weltoffenen, Bescheidenheit und NĂ€chstenliebe ausstrahlende Konfession im Islam. Die ALEVITEN lehnen die Schariat (Gesetzeskodex im orthodoxen Islam ) und die Sunna (Verhaltensformen und -techniken im orthodoxen Islam ) ab und treten fĂŒr Religionsfreiheit (Laizismus), Menschenrechte, Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft sowie fĂŒr Wissen und Bildung ein.
Aufgrund dieser liberalen Lebensauffassung wurden Aleviten in der TĂŒrkei immer wieder Opfer der gnadenloser Verfolgung durch orthodoxe Moslems (“siehe Massaker von Sivas” am 02.7.1993 ).
Zur Zeit des Yavuz Sultan Selim's (geb.1470, Tod 1520) wurden die AnhĂ€nger ALIS im Osmanischen Reich zu Zehntausenden massakriert. Durch aktiven Widerstand versuchten die Aleviten sich dieser WillkĂŒr und Tyrannei zu entziehen (z.B. die Revolte um 1240, die von BABA ILYAS gefĂŒhrt wurde oder der Aufstand des SEYH BEDRETTIN im 14.Jhr.) Die Übergriffe, Hetzkampagnen und Assimilationsversuche halten bis zum heutigen Tage in der TĂŒrkei an.
Die jĂŒngsten Beispiele dafĂŒr sind die Massaker in den 70 'er Jahren in CORUM und in MARAS.
Am 02.7.1993 in SIVAS und im MĂ€rz 1995 in ISTANBUL. Offiziell wird die Existenz der Aleviten in der TĂŒrkei immer noch nicht anerkannt, obwohl sie fast die HĂ€lfte (ca.30 Mio) der tĂŒrkischen Bevölkerung ausmachen.
Der Alevitentum wurde stark durch den Philosophen und Reformator HACI BEKTAS VELI geprĂ€gt, der zwischen 1210 und 1271 gelebt hat. Großen Einfluss hatten auch die Volksdichter YUNUS EMRE (geb. 1241- gest. 1319), NESIMI (geb.1339- gest.1418), PIR SULTAN ABDAL (geb.um 1480 - gest. 1550) und viele mehr. Der Großteil der alevitischen Dichter und Philosophen wurde durch sunnitische Fundamentalisten verfolgt, gefoltert und ermordet.

Auch im Alevitentum gibt es bestimmte Regeln an die man sich halten sollte, wie an der Lehre von den VIER TORWEGEN und die TrinitĂ€t des "BEHERRSCHE DEINE HÄNDE, DEINE ZUNGE UND DEINE LENDEN ". Die alevitischen Gemeinden werden durch "DEDE's", den geistigen OberhĂ€uptern, gefĂŒhrt. Die Aleviten kommen bei "CEM's" (=religiöse Versammlung der Gemeinde) zum Beten zusammen und versuchen hierbei auch Probleme gemeinsam zu lösen. Im Alevitentum steht der MENSCH im Mittelpunkt der Religion und nicht ĂŒberholte und unmenschliche Dogmen.
Die alevitische Glaubensrichtung ist außerhalb der TĂŒrkei noch in Syrien, Ägypten, Albanien, Iran, Irak und bei den aus diesen LĂ€ndern stammenden Immigranten in Westeuropa verbreitet. Es gibt noch viele kleinere Glaubensgemeinschaften im Islam, die Ă€hnliche Philosophien und Werte vertreten. (z.B. Ismailiten (»Siebenerschiiten«), die nur 7 Imame anerkennen oder  Saiditen (»FĂŒnferschiiten«), die sich schon mit dem 5. Imam abgespalten haben)


2. ALEVITEN
Die Aleviten bilden nach den Sunniten die zweitgrĂ¶ĂŸte Religionsgemeinschaft in der TĂŒrkei (etwa 40-50 Prozent der Gesamtbevölkerung). Sie sind in westlichen LĂ€ndern sowohl unter den Arbeitern, als auch bei jĂŒngeren Generationen, die europĂ€ische StaatsbĂŒrgerschaften besitzen sehr prĂ€sent.
Alevi bedeutet "AnhĂ€nger ALIS". Diese unterscheiden sich von anderen Muslimen unter anderem durch die Ablehnung des sunnitisch-rituellen Gebetes oder des Almosengebens. Die Pilgerfahrt nach Mekka ist bei den Aleviten nicht vorgeschrieben, wird aber von vielen wahrgenommen. Stattdessen ist die Wallfahrt zu den Grabmoscheen ALIS und seines Sohnes HUSSEIN in Kerbela, Hauptstadt der Provinz Kerbela, Irak, am Ostrand der Syrischen WĂŒste ĂŒblich.
Der alevitische Glaube gehört innerhalb des Islams der "caferitischen-zwölferschiitischen" Konfession an, in der eine soziale Vorstellung und eine humanistische Philosophie verankert ist. Nach ihm ist der Mensch das wertvollste und reifste existierende Geschöpf. Alles besteht im Menschendasein, vorausgesetzt der Mensch kennt diese Liebe und WĂŒrde. Die alevitische Philosophie hat ihre Wurzeln in der Wissenschaft, die meint, dass nur durch Wissen und Vernunft Licht in die Finsternis der Gedanken gebracht werden kann. Duch Bildung und Vernunft können Schlechtigkeit, Hass, Vorurteile und Ignoranz besiegt werden. Mit Bildung und Vernunft kann man zu Frieden, Freundschaft und innerlichen Wohlstand gelangen.
Nach dem alevitischen Glauben kann ein Mensch mit dem Gebet allein seine Pflichten als Mensch und Moslem nicht erfĂŒllen.
Das Fasten findet nicht wie bei den Sunniten im Fastenmonat Ramadan statt, sondern belÀuft sich auf 12 Tage (12 Imame) im Monat Muharram, des ersten Monats des islamischen Kalenders statt. Der zehnte Tag, Ashura-Tag (zu arabisch « ashr =zehn») des heiligen Monats ist der Tag der Trauer um den Prophetenenkel Hussein und des GedÀchtnisses an seinen MÀrtyrertod.

Frauen haben sowohl dieselben Rechte, als auch diesselben Pflichten wie MĂ€nner.
Aleviten befĂŒrworten den sĂ€kularen Staat. Toleranz und HumanitĂ€t stehen im Mittelpunkt des Denkens. DarĂŒber hinaus tendieren die AnhĂ€nger ALIS eher zu einer liberaleren gesellschaftlichen Position.
In der TĂŒrkei wurden leider Versuche unternommen, Aleviten zwangsweise zu Sunniten zu machen. In alevitischen Dörfern werden symbolisch immer neue Moscheen gebaut.
Die letzten blutigen Unruhen zwischen Gegnern und Aleviten gab es deshalb in Istanbul im Jahr 1995. Selbst  im Westen gibt es Versuche der "Zwangssunnitisierung", aufgrund von Unwissenheit und Intoleranz gegenĂŒber der Alevitischen Bevölkerung in Europa und weltweit.

Eine Möglichkeit Feindseligkeiten und Unversöhnlichkeiten gegenĂŒber Aleviten zu reduzieren wĂ€re die UnterstĂŒtzung und AufklĂ€rung durch westliche bzw. europĂ€ische Behörden.


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