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Der Bektasi-Orden
Nach dem Abbruch der Verbindung zu den Safaviden erkennen Teile der Kizilbas einen bestimmten Zweig des heterodoxen Derwischordens der „Bektasi“ als religiöse Führungsschicht an. Die strukturelle
und glaubensspezifische Nähe des städtisch geprägten Bektasi-Ordens zum ländlichen Alevitentum führt zu einer weitgehenden Gleichsetzung der beiden Gemeinschaften, so daß sie oft zusammengenommen Alevi/Bektasi
genannt werden. Der halblegendäre Mystiker Haci Bektas Veli (13. Jahrhundert), auf den sich die Bektasi zurückführen, wird auch von den Aleviten als nach Ali wichtigster Heiliger verehrt. Aus Horasan (Iran) kommend,
läßt er sich in Sulucakarahöyük (heute die nach ihm benannte Kreisstadt Haci Bektas in der Provinz Nevsehir) nieder.
Die dynastische Struktur der Bektasi-Derwische wird patrilinear auf ihn zurückgeführt, er selbst sei direkter Nachkomme Alis, wobei sich die „baba“ (Vater) – im Unterschied zu den „Çelebi“, die sich
als „bel evladi“ (Blutsverwandte; Kinder der Lende) begreifen – als Weggefährten (yol evladi) betrachten und enthaltsam leben. Sie glauben daran, daß er zölibatär gelebt habe; mit seiner Angetrauten
Fatma Nuriye (Kadincik ana) habe er sexuell nicht verkehrt, die Geburt seines Sohnes Seyid Ali Sultan (Timurtas) wird als Folge einer Blutübertragung ausgelegt.
Alevitische Autoren loben seine Leistungen in den höchsten Tönen, Gülçiçek apostrophiert seinen freiheitlichen, demokratischen und humanitären Nimbus, der ihm große Anhängerschaft beschert hätte. Für die
unterdrückten und verachteten Menschen sei er der Erlöser gewesen, unabhängig von Volks- und Religionszugehörigkeit hätten sich Bauern, Agrarsklaven, christliche und muslimische Häretiker, die von der herrschenden
Klasse der Seldschuken, Osmanen, Mongolen und Byzantiner Unrecht erfahren hätten, in seiner Ideologie wiedergefunden.
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