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Die Aleviten unter osmanischer Herrschaft

Der Rückzug in entlegene Gebiete kann die Aleviten vor osmanischer Aggression nicht bewahren, die Verfolgungswelle unter Padisah (Sultan) Selim I. in der zweiten Hälfte des 16.Jahrhunderts wird später durch Sultanserlasse fortgeführt. Willkürliche Stigmatisierung der Gemeinschaft als Häretiker und die Kolportation des Inzest-Vorwurfs machen sie auch innerhalb der sunnitischen Mehrheit zu Verächtlichen.

Die über ein halbes Jahrhundert andauernden Verhaftungen und Hinrichtungen können sie dennoch nicht zur Aufgabe ihres Glaubens bewegen. Kehl-Bodrogi vermutet, daß genau zu dieser Zeit das in seinen Ursprüngen sunnitische takiya-Gebot (Verstellung) eingeführt wurde. Erst danach wird die öffentlich demonstrierte Ablehnung gegenüber Sunniten eingefroren, in Sunnitendomänen passen sie sich den Gegebenheiten an, fasten im Ramadan und beten die rituellen Gebete.

Dieses von Goffmann als „Management nicht offenbarter diskreditierender Informationen über sich selbst“ läßt sich noch heute häufig beobachten. Im Ramadan-Monat lassen viele Aleviten je nach Örtlichkeit in den frühen Morgenstunden das Licht brennen, um den Eindruck vorzutäuschen, sie seien wie alle anderen zum morgendlichen Gebet aufgestanden. Der Verzehr von Nahrung wird in der Öffentlichkeit unterlassen, das für jeden Muslim obligatorische und zumeist in der Moschee zu verrichtende Freitagsgebet u.U. befolgt. Die Betroffenen sind dem Dilemma ausgesetzt, sich entweder dem sozialen Umfeld zu offenbaren oder weiterhin ihr Manko zu verheimlichen, da sie das Risiko in Kauf nehmen müssen, ihren Status einer „diskreditierbaren“ Person gegen den einer „diskreditierten“ Person einzutauschen. Entscheidend ist nicht die Kompensation der Spannung während sozialer Kontakte, sondern „die Information über ihren Fehler zu steuern. Eröffnen oder nicht eröffnen; sagen oder nicht sagen; rauslassen oder nicht rauslassen; lügen oder nicht lügen; und in jedem Fall, wem, wann, wie und wo.“

Auch das Endogamiegebot hat einen protektionistischen Hintergrund: Über eingeschleuste Spitzel gelang es dem Sultanshof mehrfach, Gemeinschaftsinterna in Erfahrung zu bringen, sei es die alevitische Aversion gegen die ersten drei Kalifen, ihre Weigerung, die islamischen Dogmen zu befolgen und die nach wie vor ungebrochene Hoffnung auf den Mahdi. Die Endogamie verhindert künftige Spionage, da sie sogar nach vielen Generationen der Herkunft jedes Einzelnen auf väterlicher Linie nachgehen können.

Es soll noch Jahrzehnte dauern, daß sie Abstand nehmen von chiliastischen Erwartungen, der Glaube an die übersinnlichen Safaviden reist erst ab, nachdem sie in den Refugien funktionale Gemeinschaftsstrukturen errichten, soziale und religiöse Kodizes einführen und sich in Sicherheit wägen können, künftiger Repression nicht mehr unmittelbar ausgesetzt zu sein.

von Erdinc Dogan


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